Ich liebe Bücher über das Lesen und die Liebe zu Büchern (zumindest, wenn sie gut gemacht sind ;)) Da konnte ich natürlich beim neusten Buch von Alan Bennett nicht widerstehen. Und ich muss sagen: Es hat sich gelohnt! Zudem freut es mich für einen Kleinverlag wie Wagenbach, wenn er mit guter Literatur auch mal einen Bestseller hat.
Die souveräne Leserin von Alan Bennett
- Verlag: Wagenbach - ISBN: 978-3803112545 - in Leinen gebunden -
- 120 Seiten - August 2008 -
Eine selbstsüchtige Leserin?
Durch einen Zufall kommt die Queen zum Lesen. Auf einem Spaziergang machen ihre Hunde so viel Lärm vor einem Bücherbus, dass sie sich gewogen sieht, der Höflichkeit halber, ein Buch auszuleihen. Gar nicht so einfach, wie sich herausstellen wird. Doch nach und nach findet sie sich immer mehr in die Welt der Bücher hinein und bald gibt es kaum ein anderes Thema mehr für sie. Fast alle anderen können ihre Begeisterung jedoch nicht teilen. Sie stellen die Queen nahezu als selbstsüchtig dar, weil sie ihnen nicht mehr ihre vollkommene Aufmerksamkeit schenkt, sondern auch mal den eigenen Interessen nachgeht.
Dabei lernt man aus Büchern doch so vieles. Gerade als Königin verliert man sicher auf Dauer etwas den Blick für das soziale Verhalten der Mitmenschen. Es dreht sich ständig alles nur um einen selbst und man gewöhnt sich daran. Bücher lehren aber Mitgefühl zu empfinden und sich in andere Menschen hineinzuversetzen, verschiedene Sichtweisen zu sehen.
Auch bei der Queen geht ein solcher innerer Prozess vor. Jeder anderen Person würde dieser hoch anerkannt werden, doch bei der Queen? Nein, sie wird eher als senil eingestuft.
Herrlich ist es zu lesen, wie sie sich nicht von ihrer neu gefundenen "Liebe" abbringen lässt und den Einwänden der anderen mit vollkommener Selbstsicherheit entgegengeht. Der typische britische Humor dieses Buches passt wirklich perfekt zur Geschichte. Es ist schön zu lesen, dass auch eine Königin nicht immer nur ernsthaft ist (wobei sie natürlich ernsthaft vom Lesen überzeugt ist) und sich etwas abseits der üblichen und alltäglichen Aufgaben gönnt.
Jeder Leser wird die Geschichte sicher sehr gut nachvollziehen können und sich selbst ein wenig in diesem Buch wiederfinden. Wer kennt es nicht, dass man über das Lesen die eigentliche Arbeit vergisst? Endlich ist es auch einmal gelungen, einen Buchtitel zu wählen, der tatsächlich etwas aussagt und durch seine Mehrdeutigkeit schon von Anfang an den Humor des Buches andeutet. Die tolle Aufmachung mit rotem Leineneinband macht das Buch zu einem besonderen Hingucker. Sie passt perfekt zum gesamten bibliophilen Charme des Buches.
Ein wirklich großartiges Buch, über die Liebe zum Lesen, die sogar jegliche Konventionen vergessen lässt.



Mh. Obwohl es so wenig Seiten hatte, habe ich länger gebraucht als sonst. Ich bin schlecht ins Buch gestartet und kann es dem Autor nicht so recht abkaufen. Eigentlich lese ich auch sehr gerne Bücher über Bücher und das Lesen an sich. Aber bei diesem hier kommt mir alles so konstruiert vor.
Sir Kevin, Normen, die Queen selbst.
Irgendwie war das so gar nicht meins.